| Schach, Ursprung und Metamorphose |
Kapitel 11 |
Die gedrechselte Schachfigur |
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| Von der Massenfertigung zur Norm | |||||||
Bildrechte beantragt Gedrechselte Figuren, nordisch, 14. Jahrhundert, Walrosselfenbein.
Das Schachspiel des Drechslermeisters Calvert, das um 1795 entstand. (Nachbildung)
Französische Schachfiguren in der Regence-Form aus dem 19. Jahrhundert
Ein Schachspiel in der Regence-Form aus dem 19. Jahrhundert
Schachfiguren in der Staunton-Form.
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Die Herstellung der meisten bisher beschriebenen Figurensätze erforderte ein hohes Maß an kunsthandwerklichem Aufwand. Die große Beliebtheit des Schachspiels verlangte aber auch nach einfachen, preiswert herzustellenden Figurensätzen, die die weite Verbreitung des Spiels erst ermöglichen sollten. Schon König Alfonso von Kastilien plädierte für ein Schachspiel für Jedermann. Mit der gedrechselten Schachfigur tauchte ein gänzlich neuer Typus der Figurendarstellung auf dem Spielfeld auf. Hinter dem arabischen Spielstein verbarg sich noch, wenn auch inzwischen unbekannt, ein Bedeutungsinhalt. Dieser verlieh jeder arabischen Schachfigur einen tiefgründigen und symbolhaften Ausdruck, formte jede zu einer eigenständig beseelten Kleinplastik. In der gedrechselten Technik reduzierte sich die Figur in eine von Assoziationen gelöstes und zweckorientiertes Spielelement, als eine rein zeichenhafte Erklärung seiner selbst. Erkennbar war ihre spielstrategische Bedeutung oft erst im Umfeld der gesamten Figurengruppe. Diese trug den Charakter eines einheitlichen, nach den Forderungen der Ästhetik, stilisierten Zeichensatzes. Aus diesem Kontext isoliert sind Einzelfunde dieser Spielsteine oft schwer oder gar nicht einem Figurentyp zuzuordnen. Dominierte anfangs noch die geschlossene Grundform der neuartigen Figuren, so beginnt allmählich ihr zylindrische Körper durch Einschnürungen und Wölbungen ein eigenes Leben zu entwickeln. Eine neue Formensprache, in der sich Kugel-, Scheiben- und Kelchsegmente abwechseln, prägt schließlich den Charakter der gedrechselten Schachfigur. Obwohl diese im preisgünstigen Schachspiel ihren Ursprung hatte, sind dennoch einige kostbare Figurensätze entstanden, die, gemessen an ihrer Schönheit, vielen gegenständlichen Schachfiguren ebenbürtig erscheinen.
Im Laufe der Zeit setzte sich gegenüber den figürlichen Darstellungen auf dem Schachbrett rasch eine zahlenmäßige Überlegenheit der gedrechselten Spielsteine durch, die fast ausnahmslos das Bild der Schachmeisterschaften prägten.
Der zwingenden Forderung nach einer Chancengleichheit bei Schachwettkämpfen entsprach die Einführung einer Einheitsform der Schachspiele. Seit 1830 bildet der Entwurf des Staunton-Figurensatzes, benannt nach dem englischen Schachmeister Howard Staunton, einen festen Bestandteil des Turnierschachs.
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