Schachgeschichte
  Schach, Ursprung und Metamorphose  

 

 

Kapitel 7

 

Die Geburt unseres Schachspiels ?

 
      Der König und sein Berater  
 

Figurenanordnung des Würfelvierschachs

Theoretische Anordnung von jeweils zwei vereinten Figurengruppen des Würfelvierschachspiels

Zugweise des Königs

Zugweise der Ur-Dame

Arabischer König und die Ur-Dame

Arabischer Figurensatz nach dem Schema des Würfelvierschachs aufgeteilt

 

Schriftliche Quellen, die eine Entstehung unseres Schachspiels aus dem Würfelvierschach belegen könnten, sind, wenn es sie denn je gegeben hat, verloren gegangen. Somit existiert die Idee von der Wandlung eines Vier- zu unserem Zwei-Personenschachspiel allein auf der Basis einer Mutmaßung und noch dazu auf einer umstrittenen.
Wäre es aber nicht möglich, dass ein Schritt vom Würfelvierschach zum Zweipersonenschach im frühen Schachspiel Spuren hinterlassen haben könnte?

Bei der Umformung vom Würfelvierschach zu unserem Schach wären die anfangs vier Figurengruppen zu zwei gleichwertigen mit doppelter Größe vereint worden. Dieser Vorgang würde auch die uns so selbstverständlich erscheinende Duplizität von Turm, Springer und Läufer erklären. Die Verdopplung der Bauernzahl wäre selbstredend eine weitere Folge. Allerdings wäre an einer Stelle der Vereinigung ein prinzipielles Problem aufgetaucht. Zwei Könige stünden nebeneinander und damit im Widerspruch zur Königsidee im Spiel, wie auch in der Wirklichkeit.

Hätte diese problematische Art einer Doppelmonarchie nicht nach der Degradierung einer der beiden Könige verlangt und wie hätte sie auf der Spielfläche wohl aussehen können?

An Stelle der zwei überflüssigen Könige hätten zwei neue Spielsteine erscheinen müssen. Im Schachspiel spiegelte sich stets auch ein Abbild militärischer Realität. Die Wandlung der beiden überzähligen Könige zu Beratern wäre im Schachspiel eine wirklichkeitsnahe Darstellung der damaligen Armee.

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Das Machtgefälle zwischen einem realen König und seinem Berater hätte sich auch auf der Spielfläche wiederspiegeln können, möglicherweise in der Einbuße früherer Spielstärke des entthronten Königs. Und tatsächlich musste sich der Berater im alten Schach nur mit einem Teil der Zugmöglichkeiten des Königs zufrieden geben, von diesem verschiedene Gangarten besaß er nicht. Während der damalige König, genauso wie heute, von seinem Feld in jedes angrenzende ziehen konnte, war dem Berater nur ein Schritt in diagonaler Richtung erlaubt. Und w ährend die übrigen Figuren der Grundreihe sich bezüglich ihrer Gangart deutlich unterschieden, besaß der Berater lediglich einen Teil der Zugmöglichkeiten des Königs.

 

Unabdingbar für den Wandel vom König zum Berater wäre auch die Änderung seines Spielsteins, um seine Unterscheidung vom König zu ermöglichen. Heute erscheint die Tatsache selbstverständlich, dass Schachfiguren mit einer unterschiedlichen Bezeichnung auch unterschiedliche Formen besitzen. Die Ausnahme dieser Regel findet sich nur bei den frühen abstrakten Spielsteinen. Im arabischen Figurensatz sind die Formen des Königs und die seines Beraters identisch, sie unterscheiden sich nur durch ihre unterschiedliche Größe. Auf den ersten Blick überraschen bei den arabischen Schachfiguren die leicht zu verwechselnden Figuren des Königs und die seines Beraters. Gerade aber in ihrer identischen Form mag ein Hinweis auf die Herkunft des Beraters verborgen sein, auf seinen ursprünglich Rang. Er könnte ehedem ein König gewesen sein, dessen höfische Position, dessen Spielstärke und dessen Spielstein reduziert wurde. Somit läge in der Formengleichheit von König und Berater ein Hinweis auf die Ursprünglichkeit des Würfelvierschachs und damit auf die ferne Geburtsstunde unseres Schachspiels.

 

Im Stadium der abstrakten arabischen Phase der Schachfigur ist die Wandlung vom Vier- zum Zweipersonenschach noch umkehrbar. Durch Teilen des Figurensatzes und nach dem Schema des Würfelvierschachs aufgestellt, erscheint im Abstand der Größenunterschied der vier Könige unbedeutend. Es fehlte nur noch die farbliche Unterscheidung der Figuren und der Würfelstab.

 

 

 
 
 
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