| Schach, Ursprung und Metamorphose |
Kapitel 4 |
Die ältesten Schachbeschreibungen |
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| Arabische Chronik | |||||
Mit den neun Ziffern spielt Al Adli auf die Entdeckung der Null an. Sie bildete die Grundlage für ein damals revolutionäres Zahlensystemt, das den bis dahin gebräuchlichen Zahlenalphabeten bei Weitem überlegen war.
Darstellung eines indischen Königs auf einem Elefanten reitend. Persische Elfenbeinschnitzerei aus dem 8. - 9.Jahrundert? Höhe: 15,6 cm
Dieselbe Figur von rechts |
Einem der berühmtesten arabischen Autoren, dem Chronisten Al Masudi, ist die früheste bekannte Beschreibung des Schachspiels zu verdanken. Al Masudi, ein arabischer Herodot, wie ihn manche nennen, starb 958 in Kairo. Er hinterließ ein historisches Nachschlagewerk, zu dessen Recherchen er Reisen bis nach Indien unternahm. "Er (Belhith) spielte oft Schach mit den Weisen seines Hofes, und er war es, der den Figuren die Gestalt von Menschen und Tieren gab, der ihnen Rang und Stellung beimaß, der dem König die Position des Führers übertrug, und gleichermaßen (den Rang) den anderen Figuren. Auch verband er mit diesem Spiel eine Art Allegorie der erhöhten Körper, das heißt, der der Himmelskörper, der sieben Planeten und der zwölf Tierkreiszeichen und widmete jeder Schachfigur einen Stern." Masudi berichtet auch von einer militärischen Schulung durch das Schachspiel und ebenso von einer mathematischen Übung mit Hilfe der Spielfläche. In Masudis Bericht erscheint erstmals die Berechnung der Summe, die sich bei der schrittweisen Verdopplung der Quadrate des Schachspielfeldes ergibt. Dieser Rechenvorgang erinnert an die später überlieferte Weizenkornlegende. Nach dieser Erzählung wurde die Belohnung für die Schacherfindung durch eine Verdopplung der Weizenkörner pro Spielfeld berechnet. Doch in Masudis älterem Bericht verfolgte man mit dem Zahlenexperiment ein anderes Ziel: "Die Inder verleihen der Verdopplung der Spielfelder des Schachs eine geheimnisvolle Bedeutung, sie begründen ein mathematisches Verhältnis zwischen dieser Berechnung, die über den Sphären schwebt und der, die alles beendet, ........... Die Inder erklären durch diese Berechnungen den Lauf der Zeit und den der Jahrhunderte, die höheren Einflüsse, die sich auf diese Welt auswirken und die Bindungen, die die menschliche Seele mit einbeziehen."
Die indische Königsdarstellung Einen Hinweis auf die Gestalt altindischer Schachfiguren mag eine Elfenbeinschnitzerei aus dem 8. oder 9. Jahrhundert vermitteln. Bei der ca. 16 Zentimeter hohen Figur aus Persien handelt es sich möglicherweise um die Kopie einer Königsfigur aus der verschollenen Figurenwelt indischen Schachs. Schon ihre große Ähnlichkeit mit den Königsbeschreibungen der ältesten Schachberichte lässt Rückschlüsse auf die indischen Urschachfiguren zu. Als Basis für die eigentliche Darstellung des Königs dient ein ausschreitender Elefant, der Inbegriff körperlicher Kraft und Träger religiöser Bedeutungsinhalte in Indien. Den massigen Körper des Tieres umkreisen Krieger zu Pferde, von denen einer, vom Rüssel ergriffen, aus dem Sattel gehoben wird. Über die untere Ebene lebendigen Geschehens erhebt sich der von acht Wächtern umringte Thronsitz. Auf ihm erscheint, in meditationsähnlicher Haltung und mit geschlossenen Augen, der König. Seine aufrechte Körperhaltung und sein nach innen gerichteter Blick verdeutlichen ein hierarchisches Gefälle in der Figur, den Vorrang des Geistes gegenüber der körperlichen Kraft. Den Kulturkreisen, die das Schachspiel aus seinem Ursprungsland übernahmen und mit der Sinnbilderwelt Indiens nicht vertraut waren, mochte Schach als Abbild des Krieges als naheliegende Deutung erscheinen. In der persischen Königsfigur erscheint aber nicht das Gesicht eines um militärischen Erfolg ringenden Herrschers. Eher erinnert die Darstellung an ein Schachspiel als Spiegel kosmischer Zusammenhänge indischer Mythologie, von dem schon Al Masudi zu berichten wusste. Ein Satz des Schachforschers Bidev verbindet ein Ereignis altindischer Glaubensvorstellung mit dem Schachspiel. Ein Verständnis der Figur vor diesem Hintergrund mag ihrem Wesen eher gerecht werden. |
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