| Schach, Ursprung und Metamorphose |
Kapitel 3 |
Zwischen Zweifel und Beweis |
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| Bana, der Dichter mit dem entscheidenden Vergleich | ||||
Reliefausschnitt des Stupa von Bharhut, (Nachbildung).
Miniatur aus einer Berliner Cessolis Handschrift (Ausschnitt) |
Ein kleiner Nebensatz in einem alten Text, nur eine beiläufige Erwähnung, wurde zu einem Schlüsseldatum für die Schachgeschichte. Der indische Dichter Bana ehrte in bildhafter Formulierung die friedvolle Regierungszeit (606 - 647/8) des Königs von Kanauj. Während der Regentschaft dieses indischen Herrschers sollen keine anderen Heere unterhalten worden sein, als die auf dem Schachbrett, liest man bei Bana. Diese Textstelle aus dem 7. Jahrhundert gilt unter Schachhistorikern als der älteste, eindeutige Beleg für die Existenz des Schachspiels. - Davor, so der Schachforscher van der Linde, thront rabenschwarze Nacht. -
Bharhut, ein Rätsel in Sandstein Doch im Dunkel früher Schachgeschichte glimmt in ferner Vergangenheit ein Funke möglicher Erkenntnis. Im zentralindischen Bharhut wurde ein buddhistisches Heiligtum aus dem 2. - 1. Jahrhundert v. Chr. entdeckt. Dieser sogenannte Stupa war von einem Steinzaun umsäumt, dessen Kopfbalken mittlerweile in das Indische Museum von Kalkutta überführt wurden. Auf diesen Bauteilen aus rötlichem Sandstein befinden sich etliche eingearbeitete Halbreliefe. Eine der Darstellungen beschreibt den Augenblick, in dem sich die Erde öffnet, um einen unehrlichen König mit seinem Begleiter zu verschlingen. Die insgesamt vier anwesenden Personen werden bei einem Spiel überrascht. Einige Schachforscher glaubten in der Abbildung die Darstellung eines Würfelvierschachspiels zu erkenen. Die lediglich sechs mal sechs Felder messende Spielfläche spricht nicht gegen diese Deutung des Reliefs. Auch im europäischen Mittelalter verfuhr man bei Schachdarstellungen großzügig mit der Felderanzahl des Schachbretts. ( Siehe Bild unten ) Der Stupa von Bharhut liefert vielleicht ein Indiz für ein höheres Alter des Schachs als ursprünglich angenommen. Frühe Formen des Spiels existierten möglicherweise schon in vorchristlichen Jahrhunderten. Mythen und Legenden über die Entstehung des Schachspiels berichten jeweils von seinem Erfinder und vermitteln so den Eindruck, als sei Schach gleichsam über Nacht und als erklärtes Ziel seines Erdenkers entwickelt worden. Doch nicht zuletzt die Überlegungen zum Würfelvierschach deuten auf einen langen Entwicklungsprozess hin, an dessen Ende das heute verbreitete Spiel steht. Vergleichbar mit der Evolutionsgeschichte der Lebensformen mag auch beim Schachspiel über viele Generationen hinweg eine Art der Auslese stattgefunden haben. Erfolglose Varianten des Spiels, wie zum Beispiel ein Zehnfelderschach, begleiten die bekannte Schachgeschichte von Anfang an. Somit wäre auch auf die Frage nach dem Zeitpunkt der Schachentstehung, selbst wenn historisches Material vorläge, keine einfache Antwort zu finden. Es würde wohl allein die Sichtweise entscheiden, in welchem Stadium der Spielentwicklung das Schachspiel schon oder noch nicht zu erkennen ist. |
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